Spielberichte

Europapokal Achtelfinale: Besiktas Istanbul vs. FC Bayern München 1:3 (0:1)

Ein Bericht von Johannes: 

 

Im Achtelfinale des Europapokals ging es zum Auswärtsspiel nach Istanbul. Nachdem der FCB das Hinspiel bereits mit 5:0 gewinnen konnte, reiste ich trotzdem mit voller Vorfreude ins mir noch unbekannte Istanbul. Am Montag vor dem Spiel sagte Christian die Reise leider ab, da er hohes Fieber hatte. So stellte ich mich also auf eine Reise alleine ein. Halb so wild, denn vor Ort traf man ja auf bekannte Gesichter. Am Morgen des 14. März ging es also zum Hauptbahnhof nach Mainz, wo ich mein Auto in einer Tiefgarage parkte. Immerhin für nur einen Zehner. Dort stieg ich in die S-Bahn in Richtung Frankfurt Flughafen, wo ich um 07:45 Uhr mit Turkish Airlines den Flug nach Istanbul nahm.

 

In der Türkei angekommen freute ich mich auf einen schönen Nachmittag im Sonnenschein. Doch zuvor galt es die Hürde „Passkontrolle“ zu nehmen. Hier erwartete mich eine ewig lange Schlange unmittelbar vor dem Ausgang des Flughafens Atatürk International Havalimani. Ganze 50 Minuten anstehen für zehn Sekunden Pass kontrollieren. Als dann auch die Verhandlungen bzgl. des Preises für das Taxi zum Hotel geklärtwaren befand ich mich endlich auf dem Weg zum Hotel. Laut Navi knapp 20 Kilometer. Zwar stellte ich mich auf ein wenig Stau ein, doch mit eineranderthalben Stunde hätte ich dann doch nicht gerechnet. Unterhaltsam unterhielt ich mich mit dem Taxifahrer, der mich mit einem deutschen Lied empfing.

„Eins zwei Polizei

drei vier Grenadier

fünf sechs alte Gags

sieben acht gute Nacht“

 

Er erzählte mir, dass er das im türkischen Radio gehört hätte. So ganz glauben konnte ich ihm das nicht, was mir aber letztendlich egal war. Die 20€ für die Taxifahrt beinhalteten übrigens nicht nur eine Singstunde, sondern auch eine Reiseführung. So erklärte er mir zu fast jedem Gebäude, das wir passierten, einige wissenswerte Fakten.

 

Angekommen im Hotel machte ich mich schnell auf den Weg zum Taksim-Platz, der als zentraler Treffpunkt der Bayernfans angekündigt wurde. Nachdem ich mich mit einem Bekannten traf, der Christians Karte kaufte, schloss ich mich den Freunden des Fanclubs La Bestia Negra an, die mich mit einer Dose Efes Bier begrüßten.

 

Nach ein paar Minuten Sonne einatmen traten wir die knapp 800 Meter Fußweg an in Richtung İnönü Stadı, die Heimstätte von Besiktas Istanbul. Gewohnt textsicher schmetterte man den einen oder anderen Klassiker durch die Gassen von Istanbul. Nachdem man bereits eine Ticket- und Personenkontrolle weit vor dem Stadion hinnehmen musste ging es den steilen Berg runter, wo man eine geniale Aussicht auf das Stadion hatte. Im Hintergrund glänzte das Meer – ein erstes Highlight!

 

Nach der zweiten Kontrolle wollte ich gemeinsam mit Sebastian gleich in den Block, um unsere Zaunfahne aufzuhängen. Doch weit gefehlt. Als wir schon kurz davor waren den Eingang zu betreten wurde ich von einem Ordner zurückgerufen. Komischerweise durfte Sebastian die Sicherheitsschleuse durchqueren. Also: Nochmals raus aus der Schlange. Mit weiteren Zaunfahnenbesitzern verbrachte ich anschließend eineStunde vor dem Blockeingang. Alle Fahnen wurden fotografiert und zur Kontrolle an die örtliche Polizei gesendet. Diese hatte es offensichtlich nicht wirklich eilig eine Rückmeldung zu erteilen. So verharrte ich, gemeinsam mit fünf anderen ungeduldigen Zaunfahnenbesitzern vor dem Blockeingang, während alle Personen ohne Fahne den Block betraten – nervig, aber was will man machen. Nachdem endlich das Signal kam wir dürften den Block betreten ging es zügig zum Aufhängen der Fanclub-Fahne.

Als auch dies erledigt war suchten wir uns einen guten Platz in der Mitte des Auswärtsblocks. Da an diesem Tag alle Schwenkfahnen verboten waren hatte man eine perfekte Sicht auf den Platz.

 

Knapp zwanzig Minuten vor Anpfiff wurde es zum ersten Mal richtig laut im Stadion. Dieser Zustand veränderte sich bis etwa zwanzig Minuten nach Abpfiff nicht bzw. nur gelegentlich kurzzeitig. Was wir in diesen Minuten erleben (durften) empfand ich als bislang einzigartig. Man muss sich vorstellen: Es ist Achtelfinale, Besiktas liegt bereits vor Anpfiff mit 5:0 hinten, doch das ganze Stadion steht und peitscht die Mannschaft frenetisch nach vorne als würde man glauben, man könnte noch weiterkommen. Als der FC Bayern das 1:0 erzielte wurde es etwa eine Minute ruhig im Stadion (ausgenommen natürlich in unserem Block). Doch auch davon nicht geschockt rissen die türkischen Anhänger anschließend wieder einewahnsinns Lautstärke ab. Als der Schiedsrichter zur Halbzeit pfiff freute man sich auf ein wenig Ruhe. Weit gefehlt. Der türkische Halbzeitchef ordnete wohl laute türkische Volksmusik an – gewöhnungsbedürftig. So freute ich mich, als die Viertelstunde Showmusik beendet war. Nach nur einer Minute in der zweiten Hälfte erzielte Besiktas das erste Tor des Abends, jedoch traf Gökhan Gönül sein eigenes Tor. Das 2:0 für den FC Bayern. Doch nur dreizehn Minuten danach erzielte Besiktas doch den Ehrentreffer durch Vágner Love. In der Halbzeit kritisiert – jetzt bis Spielende und weit nach Abpfiff gefeiert – der Stadion-DJ.

"What is love?

Baby, don't hurt me

Don't hurt me no more"

 

Der 1993 veröffentliche Hit von Haddaway erhitzte den, sowieso sehr gut aufgelegten, Auswärtsblock. Der ganze Block zog mit und zelebrierte, nicht nur nach unserem 3:1 von Sandro Wagner in der 84. Spielminute, textsicher den Lovesong. Würde man andere Lieder in einer solchen Breite von Auswärtsfahrern lautstark hinbekommen wäre das eine feine Sache. Nachdem man nach Abpfiff noch eine gute Stunde im Stadion verblieb (Blocksperre) verabschiedete ich mich von den Kollegen und trat den zwanzig Minütigen Heimweg an. Frisch geduscht ging es ins Bett, denn um 6 Uhr Ortszeit klingelte mein Wecker schon wieder. In der Früh ging es mit dem Taxi zum Flughafen, wo ich meinen Flieger um 09:15 Uhr, nach einem Guten-Morgen-Bier locker erwischte. Auf Grund der Zeitverschiebung traf ich um 10:30 Uhr in Deutschland ein, wo ich nach einemSpurt durch den halben Frankfurter Airport um 11 Uhr meine S-Bahn nach Mainz erwischte. Dort angekommen ging es mit dem Auto zurück nach Hause, wo ich letztendlich um 12 Uhr am Mittag ankam.

 

Ein unvergesslicher Europapokaltrip liegt heute hinter mir. Nachdem ich in Glasgow schon dachte ich erlebe ein Gegentor beim FC Bayern nicht mehr so brachial wurde ich in Istanbul eines Besseren belehrt. Ich würde mir wünschen auch in der heimischen Arena würde eine solche Stimmung bzw. auch nur die Bereitschaft dazu die Mannschaft lautstark zu unterstützen herrschen. Zumindest in bedeutenden Spielen wie einem Alles-oder-Nichts Spiel.